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SMART CITY – Lernen Sie in 8 Schritten, wie Sie Ihre Stadt strahlen lassen!

2. Mai 2018
Categories: Blogpost

Eine Smart City ist eine Stadt mit einer Digitalisierungsstrategie. Die digitale Strategie lautet: kommunizieren, lernen, tun, verbessern.  Es gibt keinen Business Case für DIE Smart City, aber es gibt viele sinnvolle Einzelprojekte, mit denen gleichzeitig der Bürgernutzen erhöht und Kosten gesenkt werden können. Aus der Summe der Projekte lässt sich eine Vision, ein politischer Wille erkennen, der die Stadt strahlen lässt. Die App ist nicht das Maß aller Dinge, aber Digitalisierung bedeutet: die Welt wird neu geordnet. Packen wir’s an und lesen Sie nach, wie!

  1. Was ist eigentlich eine Smart City?

Es ist ja inzwischen oftmals so, dass eine Stadt den Wunsch äußert, Smart City oder Smarte Region zu werden und sich erst im zweiten Schritt die Frage stellt, was eine Smart City eigentlich ist. Das deutet daraufhin, dass es für den Begriff Smart City (noch) keine Standarddefinition gibt. Und das ist ja vielleicht ganz gut so, denn jede Stadt, jede Region hat ihre Eigenheiten und Besonderheiten. Gerade diese sollen gestärkt und nicht in einem einheitlichen Korsett passend zu einem standardisierten Smart City Angebot zurechtgeschliffen werden. Es reicht ja, wenn alle Shopping Malls gleich aussehen.

Schnelles Internet – öffentliche Infrastruktur – Dienstleistungen – Partizipation

Zumindest können wir festhalten, dass die Smart City – und damit meinen wir immer auch die smarte Region – aus den Modulen Schnelles Internet, öffentliche Infrastruktur und Dienstleistungen besteht. Mit diesen Modulen sollen aktuelle Probleme gelöst, die Lebensqualität der StadtbewohnerInnen verbessert und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Da nur StadtbewohnerInnen entscheiden können, was für sie Lebensqualität bedeutet, müssen sie sich aktiv an der Smart City Entwicklung beteiligen. Daher gehört die Partizipation der Zivilgesellschaft mit zu den Modulen der Smart City.

2. Wie fangen wir an, eine Smart City zu entwickeln?

Der Wunsch nach einer Smart City kann verschiedene Auslöser haben:

  • die Stadt muss kreative Lösungen für ihr Feinstaubproblem finden,
  • sie will Lösungen gegen den täglich drohenden Verkehrskollaps entwickeln,
  • sie will sich gegen die Marginalisierung stemmen und ihre Attraktivität erhöhen,
  • sie sucht bezahlbare Lösungen zur Sanierung der maroden Straßenbeleuchtung,
  • sie will sich als Vorreiter der Elektromobilität bekannt machen,
  • sie will ihren Ruf als Stadt mit Sicherheitsproblemen bekämpfen
  • v.a.m.

Eigentlich treibt Städte und Regionen eines gemeinsam an: sie wollen ihre Zukunft gestalten und eine Strategie entwickeln, statt sich wie in der Vergangenheit von technischen Entwicklungen, nationalen Vorgaben und Lobbyisten treiben zu lassen.

3. Die Wahl: Niedergang oder Smart City

Die Zukunft steht im Zeichen der Digitalisierung. Eine Stadt, die sich nicht von der Digitalisierung überrollen lassen will, muss eine Strategie zur Gestaltung ihrer Zukunft entwickeln, muss Smart City werden. Wir können also definieren:

Eine Smart City ist eine Stadt mit einer Digitalisierungsstrategie. Die digitale Welt ist eine Welt, die sich rasend schnell vernetzt. Vernetzung und Geschwindigkeit sind mithin zwei entscheidende Kenngrößen der Digitalisierung.

Jetzt braucht man sich nur noch eine westeuropäische Stadt mit ihren historisch gewachsenen Strukturen, ihrem Behördenlabyrinth, ihren politischen Machtkämpfen vorzustellen und wir ahnen, dass hier Welten aufeinanderprallen.

Zugegeben, für die Smart City hilft der Mut der Verzweiflung: „Niedergang oder Smart City“ lautet die Wahl. Darum muss man auch bei den Problemen ansetzen, denn eine Smart City funktioniert nicht als Wunschkonzert. Und Probleme wollen wir doch alle schnell lösen, nicht wahr?

Gehen wir kurz auf die oben genannten Module Internet, öffentliche Infrastruktur, Dienstleistungen und Partizipation ein.

4. Schnelles Internet – die anderen werden es nicht richten!

Das Versprechen der letzten Bundesregierung, jedem Bürger einen Internetanschluss mit 50 Megabit zu gewährleisten, ist aus zwei Gründen sehr interessant: zum einen hat die Bundesregierung es nicht geschafft, ihr Versprechen einzulösen; zum anderen klingt 50 Mbit bereits heute wie ein Relikt aus alten Zeiten. Folge: Deutschland steht im EU Digitalisierungsranking nur noch vor den Ländern aus dem Balkan.

Fazit für die Stadt: es reicht nicht darauf zu vertrauen, dass das schnelle Internet von alleine kommt. Die strategische Frage lautet: wie kann die Stadt oder die Region gewährleisten, dass sie auf Dauer ihren BürgerInnen und Unternehmen eine der schnellsten Internetinfrastrukturen anbieten kann?

Darauf gibt es keine einfachen Antworten, aber einen einfachen Hinweis: Sie dürfen von   anderen Städten und Regionen abgucken!

5. Öffentliche Infrastruktur –  vernetzen!

Zur öffentlichen Infrastruktur gehören neben dem Kommunikationsnetzwerk die Versorgung mit Wasser und Energie, die Verkehrsinfrastruktur und die Entsorgungs- und Verwertungsinfrastruktur. Früher galt ein neues Stromkabel oder eine Wasserleitung als Investition für die nächsten fünfzig Jahre – Punkt.

Mit Hilfe der digitalen Innovationen werden wir zwar nicht alle 15 Jahre neue Leitungen verlegen. Aber sie machen es möglich, mit Unterstützung von Sensorik Schwachstellen aufzudecken, mit Datenmodellen überdurchschnittliche Nutzungen vorherzusehen, mit automatisierter Steuerung die Belastungen von Leitungsnetzen zu glätten.

Sensorik, Vorhersage, automatisierte Steuerungen: an diesen Kenngrößen richtet sich eine smarte Infrastruktur aus.

Spannend wird es, wenn sich aus den Messdaten einer Infrastruktur Vorhersagen für die Belastung einer anderen Infrastruktur treffen lassen und diese Belastung über gezielte Anreize vermieden werden kann.

Ein Beispiel einer smarten Integration von Infrastrukturen:  aus dem Verkehrsaufkommen kann die Anzahl der Ladevorgänge an stromnetzkritischen Punkten vorausberechnen werden. Im Abgleich mit den Wetterdaten lässt sich eine Vorhersage treffen, wieviel Strom aus lokalen PV-Anlagen zu den kritischen Zeitpunkten eingespeist wird. Jetzt lässt sich berechnen, wie hoch die angebotene Ladeleistung an einzelnen Ladepunkten sein wird. Danach können die E-Mobilisten über ihre Lade-App mit attraktiven Preis-Leistungs-Angeboten motiviert werden, an netzunkritischen Ladepunkten ihren Strom zu tanken.

In diesem Beispiel werden die Infrastrukturen Verkehr, Stromverteilnetz und Energieerzeugung miteinander vernetzt. Die bisher getrennt verwalteten Infrastrukturen werden künftig als ein zusammenhängendes System gemanagt. Übrigens beschreibt das Beispiel oben keine Lösung für ein aktuelles Problem. Aber Sie müssen ja auch nicht immer so lange warten, bis es wehtut, bevor Sie über eine Lösung nachdenken.

Die Vernetzung von Infrastrukturen ist eine Kernkomponente von Smart Cities.

Das erhöht zwar erst einmal die Komplexität (Silos abbauen!), schafft aber auch Potential für Prozessvereinfachungen und Kosteneinsparungen. Wir erkennen: die Vernetzung von Infrastrukturen setzt die Kooperation von Verwaltungen voraus. Verwaltungen bestehen aus Menschen. Menschen müssen also lernen, miteinander zu kooperieren.  Das ist generell keine leichte Aufgabe, aber auch kein Grund, diesen Lernprozess nicht zu starten!

6. Dienstleistungen – App oder gar nicht?

Wir werden als Kunden jeden Tag verwöhnter und erwarten, dass wir unser Leben mit Hilfe des Smartphones steuern können. Jede neue Dienstleistung hat nur eine Chance Kunden zu finden, wenn sie dem Nutzer ein hohes Maß an Anwendungskomfort bietet. Vor allem muss sie ihr Versprechen auch halten können. Was nützt ein Mängelmelder, wenn der Mangel nicht innerhalb kürzester Zeit behoben wird? Haben die ersten zehn NutzerInnen das neue Angebot schlecht bewertet, ist das Angebot tot und das Vertrauen in die Innovationskraft des Anbieters dahin.

Wie sieht es aber mit klassischen Dienstleistungen aus, die heute noch vollständig auf analogem Weg erledigt werden? Vielleicht hilft hier eine kleine Verbesserung – vielleicht im ersten Schritt nicht einmal digital – dem Kunden zu einem Innovationserlebnis („Hey, die haben ja mal nachgedacht!“), vor allem dort, wo es um Pflichtvorgänge geht, bei denen die Behörden ein natürliches Monopol besitzen.

Daraus können wir lernen:

Nicht der Mängelmelder schafft für den Kunden einen Wert, erst der beseitigte Mangel.

Mehr Komfort beim Behördengang ist aber auch in kleinen Dosierungen ein Wert an sich. Das führt uns zu der grundlegenden Frage, die gestellt und beantwortet werden muss: was bringt’s dem Kunden?

Dienstleistungen der Smart City orientieren sich radikal am Kundennutzen. Die Bürgerin ist eine Kundin, das Unternehmen ist ein Kunde.

Oft wird die kritische Frage gestellt, ob es denn für die Smart City einen Business Case gibt. Es gibt natürlich nicht DEN Business Case für DIE Smart City. Aber es gibt ganz bestimmt ein sinnvolles Projekt z.B. mit dem Ziel, einen öffentlichen Verwaltungsvorgang effizienter und kostengünstiger zu gestalten und gleichzeitig für den Kunden zu vereinfachen.

7. Partizipation –  den Kunden bei der Produktentwicklung einbeziehen

Die Produktentwicklung im digitalen Zeitalter bindet die Kundin frühzeitig ein. Sie soll möglichst schon eine Idee auf ihren Kundennutzen überprüfen. Danach wird ein Minimalprodukt lanciert und mit Hilfe von Kundenfeedbacks in neuen Version optimiert und weiterentwickelt. „Austauschen – testen – lernen – verbessern“ lautet das Mantra digitaler Produktentwicklung. Die Smart City entwickelt letztlich digitale Produktlösungen. Der Kunde ist die Bürgerin, der Stadtbewohner, das Unternehmen. Die Forderung nach Partizipation ist also keine aus ethischen Gründen, sondern viel banaler: Smart City Lösungen lassen sich nur zusammen mit ihren Nutzern aus der Zivilgesellschaft entwickeln, sonst funktionieren sie nicht!

Damit erübrigt sich auch die Frage, ob denn die Bürgerinnen und Bürger überhaupt daran interessiert sind mitzumachen? Genauso gut könnte man einem Unternehmen die Frage stellen, ob es eigentlich wichtig sei, dass ein neu entwickeltes Produkt auch gekauft wird.

Jetzt halten wir alle den Atem an! Das würde ja bedeuten, dass die alte Weltordnung „hier Unternehmen – dort Kunde“, „hier Verwaltung – dort Bürger“, “Hier Vorgesetzter – dort Mitarbeiter” nicht mehr funktioniert. Genau – willkommen in der Welt der Digitalisierung!

8. Und was ist jetzt eine Digitalisierungsstrategie?

Ich höre sie schon rufen, die Großberater und Aktenfräser*: „Bevor wir über die erste Lösung nachdenken, brauchen wir doch erst einmal eine Strategie!“ – Also, das ist unsere digitale Strategie:

Die Digitalisierung startet mit der Lösung interner und externer Probleme und zwar mit einem radikalen Bezug auf den Kunden-, bzw. Bürgermehrwert. Die ersten Projekte bilden die Grundlage einer digitalen Roadmap, einem strukturierten Projektportfolio. Sie wird flankiert von einer Vision. Zwischen den Projekten zeichnen sich Synergien und Widersprüche ab. Diese Zusammenhänge werden dann nach und nach zu einer Strategie verdichtet und der Fokus der Smart City geschärft.

Die digitale Strategie heißt: KOMMUNIZIEREN, LERNEN, TUN, VERBESSERN

*der Begriff ist nicht von mir. Ich habe ihn dem hervorragenden Buch DIGITALISIERUNG SELBST DENKEN von Ingo Radermacher entnommen (https://www.ingoradermacher.de/buch-digitalisierung/) ,in dem auf höchst leserliche Weise beschrieben wird, dass Digitalisierung mehr damit zu tun hat, wie Probleme gelöst werden, als welche IT Tools wofür angeboten werden.

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