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Digitales Stadtwerk – wie offene IT Architektur das Stadtwerk zu einem Smart City Motor macht

30. August 2018
Categories: Blogpost

Vor zwanzig Jahren stand das Stadtwerk in Deutschland auf der Liste aussterbender Arten. Zu konservativ, zu behäbig, zu risikoscheu – keine Chance, um in einem deregulierten Markt zu überleben! Aber dann schuf die Energiewende mit ihren dezentralen Erzeugungs- und Verbrauchsstrukturen eine neue Nische für das Stadtwerk. Doch zur erfolgreichen Bewirtschaftung dieser Nische, muss das Stadtwerk sich digital transformieren. Das Stadtwerk muss einen digitalen Hub zur Integration seiner Vielspartigkeit schaffen, um mit seiner Hilfe Kosten und Komplexität zu reduzieren. Es zeigt sich, dass dieser Hub gleichzeitig  ein hervorragendes digitales Fundament für die Smart City darstellt und zu einem neuen Geschäftsmodell für das Stadtwerk werden kann.

Die Vielfältigkeit des Stadtwerks

Deutschland ist mit seinen 16 Bundesländern und 12.000 recht eigenständigen Kommunen ein ziemlich kompliziertes Land.

Ungefähr 1.000 Städte und Gemeinden haben eigene Stadtwerke, die unter ihrem Dach vielfältige Dienstleistung für die öffentliche Ver- und Entsorgung bündeln: Wasser-, Wärme- und Energieversorgung, Telekommunikation, Schwimmbäder, öffentlicher Personennahverkehr, Abfallentsorgung, Straßenreinigung, Grünversorgung, Parkraumbewirtschaftung, Straßenbeleuchtung.

Manche Stadtwerke decken alle Sparten ab, andere nur einige wenige. Das macht den deutschen Energiemarkt noch etwas komplizierter als Deutschland ohnehin schon ist.

Multi Use-Case avant-la-lettre

Stadtwerke wurden vor ca. 100 Jahren aus einem einfachen Grund errichtet: die Kommunen wollten an den Speck! Sie wollten an den Gewinnen aus dem Verkauf von Strom und Gas partizipieren, um damit Verluste in anderen Sparten wie Nahverkehr, Müllentsorgung und später Schwimmbäder auszugleichen.

Das Konzept selber von Stadtwerken als gemeinwohlorientierten Privatunternehmungen geht jedoch auf die Genossenschaftsidee im 19. Jahrhundert zurück, die wiederum in Erfahrungen aus der jahrhundertealten Bewirtschaftung von Allmenden wurzelt.

Solange die Kommunen alle Dienstleistungen an ihre Stadtwerke vergeben konnten und der Energiemarkt vollständig reguliert war, erwirtschafteten die Stadtwerke Jahr für Jahr erkleckliche Gewinne, was sich in den kommunalen Haushaltskassen als willkommene Dividendenzahlungen bemerkbar machte.

Im Digitalspeak: das Stadtwerk war ein ziemlich erfolgreicher Multi-Use-Case avant la lettre.

Überlebenswichtige Herausforderungen

Dann aber änderte sich vieles, als der Energiemarkt zum Ende des vergangenen Jahrhunderts dereguliert wurde und Stadtwerke sich auch mit ihren anderen Dienstleistungen im Wettbewerb behaupten mussten.

Diese neuen Voraussetzungen im Wettbewerb haben das Stadtwerk mit überlebenswichtigen Herausforderungen konfrontiert:

  • Kontinuierliche Kostensenkung, um die regulatorischen Benchmarks zu erfüllen und sich für die nichtregulierten Aktivitäten gegen den Wettbewerb behaupten zu können.
  • Die Kontrolle behalten in allen Bereichen, die von der Digitalisierung der Energiewende betroffen sind. Smart Metering, Smart Grids, Smart Home etc. erfordern andere Fähigkeiten, neue Berufsbilder und neue Technologien, die nicht alle an externe Dienstleister outgesourced werden können.
  • Die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zur Kompensation von Verlusten im Energieverkauf und zur Schaffung von spartenübergreifenden Synergien.
  • Fokus auf Talentmanagement, denn die Babyboomer-Generation geht in Rente und Stadtwerke gehören bisher nicht zu den Traumarbeitgebern junger Universitätsabsolventen.

Es gibt nur einen Weg, diese Herausforderung in eine aktive Gestaltung der Zukunft umzusetzen: das Stadtwerk muss sich einer digitalen Transformation unterziehen, es muss sich digitalisieren!

Digitale Transformation

Die Basis der digitalen Transformation (oder der Digitalisierung) besteht aus der Erzeugung, dem Transport und der Verarbeitung von Daten. Das erfordert Sensoren, ein Datenübertragungsnetz, ein Rechenzentrum und Software.

Das Stadtwerk muss eine entsprechende technische Dateninfrastruktur aufbauen, um künftig seine Aufgaben erfüllen zu können: im Smart Metering, in der flexiblen Netzlaststeuerung, in der Bewältigung von Passagierströmen usw.

Das führt dazu, dass das Stadtwerk Daten und Lösungen aus unterschiedlichen Infrastrukturbereichen bündeln, kompatibilisieren und interoperabel machen muss. Und das aus dem einfachen und zwingenden Grund, seine operativen Kosten niedrig zu halten.

Kostenmanagement, Komplexitätsreduzierung und digitale Transformation erfordern einen neuen Fokus auf Kundenbedürfnisse, den Aufbau neuer und effizienter Prozesse, adäquate Organisationsformen, die Notwendigkeit, Mitarbeitern mehr Verantwortung zu übertragen und nicht zuletzt die Entwicklung neuer Partnerschaften.

Schritt für Schritt wird die Digitalisierung das gesamte Stadtwerk transformieren.

Digital Hub- ein neues Geschäftsmodell

Indem es seine Mehrspartigkeit zu integrierten Use-Cases weiterentwickelt, wird aus dem Stadtwerk eine digitale Integrationsmaschine. Diese Maschine birgt das Potential in sich, auch für die Stadtverwaltung und andere kommunale Unternehmen lebenswichtige digitale Dienstleistungen zu bieten.

Damit kann aus der digitale Managementinfrastruktur des Stadtwerkes in ein neues Geschäftsmodell entstehen: der Digital Hub.

Der Digital Hub bietet die technische, organisatorische und innovationsfördernde Infrastruktur zur Integration existierender und zur Entwicklung neuer digitaler Dienstleistungen für die Smart City.

Der Digital Hub unterstützt die Stadtwerke dabei, aus ihren überlebenswichtigen Herausforderungen solide Geschäftschancen zu machen:

  • Kostenmanagement: der Digital Hub ist kosten- und effizienzgetrieben, denn die Reduktion von Kosten und Komplexität ist seine Kernaufgabe. Der Digital Hub schafft Synergien und Mehrwerte.
  • Kontrolle: Stadtwerke sind Insider ihrer Kommune und genießen bei einer Mehrheit der Bevölkerung großes Vertrauen. Unter diesen Voraussetzungen kann man den Stadtwerken mit gutem Gewissen die Daten der Stadtgemeinschaft anvertrauen und sie mit der Bewirtschaftung von Big Data betrauen. Daraus wird den Stadtwerken ein starkes Alleinstellungsmerkmal erwachsen: sie können die den gesetzeskonformen und ethisch verantwortlichen Umgang mit den Daten der Bürgerinnen und Bürger gewährleisten und verhindern, dass globale Plattformanbieter über Hintertüren Datenmonopole errichten.
  • Geschäftsentwicklung: Digitale Innovationen müssen interoperable und integrierbar sein. Das Stadtwerk als Master des Digital Hubs wird zum Orchestrierer von digitalen Innovationen, unterstützt von einem Ökosystem von innovativen Partnern der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft, von Wissenschaftlern und Startup-Unternehmen. Der Digital Hub ist der Innovationsinkubator für das Stadtwerk wie für die Stadt selber.
  • Attraktiver Arbeitgeber: die Unternehmenskultur des Stadtwerkes wird sich im Zuge der Digitalisierung ändern. Als Master des Digital Hub und Orchestrierer von innovativen Projekten, wird das Stadtwerk seine Attraktivität für junge Talente steigern, die ihre Arbeitskraft zur Rettung des Planeten einsetzen wollen. Damit wird der Digital Hub über die Ressourcen verfügen, seinen Stakeholdern IT Fachkräfte für Projektaufgaben zur Verfügung zu stellen.

Das Stadtwerk – Motor der Smart City

Sind das keine essentiellen Ingredienzen für die Entwicklung einer Smart City?

  • ein Digital Hub
  • die Entwicklung von smarten technischen Infrastrukturen
  • die Orchestrierung von Innovationen
  • das Management von Talenten und IT Ressourcen

Damit entwickelt sich das  Stadtwerk zum Motor der Smart City mit dem Anspruch, Big Data zu managen und das kommunale Internet-der-Dinge aufzubauen und zu betreiben. Dieser Anspruch gründet sich

  • in der Tradition, die technischen Infrastrukturen der Kommune sicher und zuverlässig zu betreiben,
  • in der Überschneidung der künftigen digitalen Unternehmensstruktur zur spartenübergreifenden Integration von Daten und Lösungen mit den Anforderungen an eine digitale Smart City Infrastruktur,
  • durch die eigentumsrechtliche Zugehörigkeit zur Kommune,
  • durch die Verantwortung, seine Aufgaben auf kosteneffiziente Weise zu erfüllen.

Die Notwendigkeit einer offenen Integrationsplattform

Der Anspruch des Stadtwerks, natürlicherweise den Digital Hub der Kommune zu betreiben, muss von einer offenen und skalierbaren Datenarchitektur unterstützt werden. Diese Architektur zeigt sich in einer Integrationsplattform mit einigen wesentlichen Funktionsmerkmalen.

Die Plattform ist

  • integrativ: sie ist fähig, existierende Digitallösungen aus unterschiedlichen Domains interoperabel zu machen,
  • skalierbar: sie kann Millionen Geräte miteinander und mit immer mehr Domains und Lösungen verknüpfen,
  • innovationsfördernd: sie bietet alle Voraussetzung für einen sicheren und nachvollziehbaren Datentransport und damit die funktionale Grundlage für die kosteneffiziente und schnelle Entwicklung innovativer Lösungen auf lokaler Ebene,
  • unabhängig: sie schafft in zunehmendem Maße Unabhängigkeit von mächtigen Technologieunternehmen und verhindert dadurch Lieferantenabhängigkeit.

Aus diesem Grund müssen Stadtwerke und Kommunen in nationalen oder internationalen Konsortien eine unabhängige Integrationsplattform entwickeln.

Eine offene Integrationsplattform wird ein unschätzbar wichtiges Element für Stadtwerke und Kommunen sein, um ihre kommunale  Selbstbestimmung und damit die demokratische Freiheit auch in der digitalen Welt verteidigen zu können.

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